Dragon Age : Origins
Habt ihr auch mal Baldurs Gate 1 + 2 gespielt? Die Schatten von Amn? Legenden der Schwertküste? Thron des Bhaal? Habt ihr es geliebt? Ohja. Ich auch. Schon 10 Jahre ist das her. Eine der wenigen guten Dinge aus Kanada (bis auf Robin Scherbatsky und Kanadierwitze), und dann gleich so ein geiles Teil. Jedenfalls hat Bioware jetzt nach dem absolut mülligen Mass Effect ein Spiel im Geiste dieser Klassiker produziert, Dragon Age : Origins!
Das Rollenspiel dieser Dekade für mich, ganz klar. Nach einer mitreißenden Introduction in das Geschehen, die sich mehr nach Hack’n'Slay anfühlt und schön Blut- und Pathos-Triefend ist, wie es sich für ein Rollenspiel gehört, dürft ihr zum ersten Mal die Weltkarte aufdecken, und da fängt der Spaß an. Das Retro-BG2-Gefühl stellt sich sofort ein, die Kämpfe werden taktischer, eure Party wächst, eure Entscheidungen werden schwieriger und schwieriger.
Die Story über Verrat, menschliche Abgründe sowie menschliche Beziehungen und Dämonen, die eure Existenz bedrohen, zieht euch nach ca. 3 Stunden Spielzeit absolut in euren Bann und ihr kommt nichtmehr davon los. Es ist wie ein gutes Buch, nur muss man in dieses Buch 80 Stunden Spielzeit investieren, um zum Ende zu gelangen. Und dann hat man noch lange nicht alles gesehen, man kann das Spiel immer und immer wieder spielen, da man vor soviele moralische Entscheidungen gestellt wird, das einem schwindelig wird. Diese beeinflussen die Story und die Beziehungen zu den anderen Charakteren im Spiel maßgeblich, sodass sich unterschiedlichste Dialoge und Konstellationen ergeben, die allesamt den Verlauf des Spiels beeinflussen. Ein großes Lob an die Geschichtenschreiber, ich bin beeindruckt. Alles sehr stimmig und die Charaktere sind sehr, sehr gut und glaubwürdig ausgearbeitet.
Abhängig von euren Entscheidungen werden euch manche Weggefährten immer mehr lieben, andere euch hassen und verlassen. Auch untereinander können sich eure Gefährten Wortgefechte liefern, die sehr amüsant mit anzuhören sind. Einfach gut. Gespräche mit euren Gefährten könnt ihr lenken und sie beeinflussen, ihnen zustimmen, sie überreden, bedrohen, oder beleidigen. Sie kommentieren auch euer Verhalten und lassen euch wissen, was ihnen in den Kram passt und was nicht. So habt ihr in diesem Spiel keinen Gut/Böse Regler, der auch darauf aufmerksam macht, dass es mal wieder an der Zeit wäre, eine Prinzessin zu retten, sondern nur das Feedback eurer Weggefährten und euer eigenes Gefühl als Wegfinder. Da ich jetzt nur moralisch verwerfliche Charaktere und meinen Kriegshund um mich gescharrt habe, bzw. die “guten” Charaktere nicht mehr mit mir reisen wollen, ziehe ich natürlich wie ein Geisteskranker durch das Land, raubend und mordend, alle Probleme mit Gewalt lösend und bekomme dafür noch Beifall. Ja es macht Spaß
. Dass eure Charaktere von oben bis unten mit Blut vollgespritzt sind, wenn ihr mal wieder jemanden gemeuchelt habt, macht das ganze noch stimmiger.
Die relativ offene Storyline lässt euch frei im Land umherziehen, ab und zu müsst ihr durch ein Nadelöhr gehen, um die Story voranzutreiben und seid dann wieder frei in euren Entscheidungen. Top! Das Klassen- und Skillsystem ist gewohnt ausgefeilt und komplex, es gibt aber auch eine Auto-Level-Up Funktion. Einziges Manko ist, dass man anstatt wie in alten Zeiten nur 4 anstatt 6 aktive Kämpfer befehligen kann, was die taktische Tiefe etwas herausnimmt, und dass das Spiel keine Maßstäbe setzt, was Augenschmaus angeht. Die Umwelt ist mit Liebe zum Detail gestaltet, die Grafik stimmig und erfüllt ihren Zweck, aber prächtige Landschaften sucht ihr Vergebens. Wer auf Oberflächlichkeiten steht, sollte aber sowieso andere Spiele spielen. Dieses Werk lebt von seiner Geschichte und der Welt und ihren Bewohnern und das ist genau da wo ich einen Pfad in die Zukunft der Spieleindustrie sehe. Wenn man sich in der U-Bahn zur Uni dabei erwischt, wie man immer noch mit seiner Entscheidung vom Vortag hadert, die Bedrohung vielleicht doch hätte besiegen können, ohne dabei Unschuldige zu opfern, dann ist das der Grund, ein Spiel zu ehren. Das ist auch der Grund, warum ich mich auf Heavy Rain freue. Erwachsene Geschichten, die Verantwortung in der Hand des Spielers, moralische Konsequenzen ohne Gnade. Das macht Spaß. Prost.
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mors

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