Nicht Spielen
Skillset: Nicht Spielen
C. Putzler
Nicht Spielen ist denke ich so wichtig – wenn nicht wichtiger – als das tatsächliche Spielen.
Bevor hier jeder, der mal reingeschaut hat wieder rausschaut weil das Thema doch 1000000x durchgekaut wurde, dass man nicht betrunken spielen sollte, quitten sollte wenn man mit unseren Freund Til Taler Bekanntschaft macht, usw aber mein kleiner Artikel zielt auf etwas ganz anderes ab: Wann sollten wir erst gar nicht anfangen zu spielen obwohl wir Lust dazu haben, Zeit dazu haben und Ehrgeiz entwickeln unseren Gegnern Geld abzunehmen?
Klingt verrückt, ist es aber meiner Meinung nach nicht.
Es gibt meiner Erfahrung nach 2 Phasen an denen wir nicht spielen sollten, obwohl wir die obigen Werte in uns haben, es aber trotzdem tun:
1) Inner feeling
Gegeben: gute Laune, Zeit, Motivation
Gesucht: Gewinn, gutes Spiel
Unbekannte Variable: dieses verdammte Gefühl, dass heute irgendwas schlecht läuft…
Es ist schwer zu beschreiben aber ich vermute, dass das jeder von uns kennt. Wir haben vor der Session ein schlechtes Gefühl aber fühlen uns sonst wohl und haben die idealen Voraussetzungen nun gutes Poker zu spielen. Wir denken “was solls, dieses Gefühl ist nur Einbildung” – kriegen es aber dennoch nicht aus dem Kopf. Ob wir deswegen verlieren? Möglich. Denn wenn wir verlieren bestätigen wir uns selbst und das Gefühl wird stärker. Wir hören entweder direkt nach dem 1. Badplay oder Suckout auf und sind schlecht gelaunt oder versuchen das Gefühl zu verdrängen und “unsere Hände reinzugrinden”. Gute Laune gibts nicht mehr, das Spielen wird zur Qual. Anderes Szenario: Wir gewinnen nen Stack und auf einmal ist das Gefühl nicht etwa weg sondern doppelt so stark. Wir quitten nach 50 Händen und denken uns: “Gottseidank konnte ich nun quitten”, oder aber wir verdrängen es wieder und spielen abweichend von unserem A-Game entweder ängstlich oder zu loose weiter.
2) Übermotivation
Gegeben: Zeit, Motivation, bomben Laune, Drang nach Poker
Ziel: Hände, tough decisions, Geld, Kampf mit dem eigenen Gehirn
Unbekannte Variable: fehlender Platz für unser nonpokerthinking
Man hat eine Woche aus diversen Gründen nicht gespielt, man WILL spielen. Man verliert den ersten Stack – macht nichts, kann passieren, ich grinde heute meine 10k Hände rein und weil ich so motiviert bin werde ich auch gut spielen.
Jeder wird auch dieses Szenario kennen und sich fragen was daran schlecht ist, schließlich wurden mit solchen Sessions schon kleine Vermögen an einem Tag gemacht. Richtig, ich auch. ABER man kann damit sehr leicht sein komplettes Spiel für einen längeren Zeitraum völlig zerstören. Man spielt nurnoch ABCpoker, weaktight, “Hände reingrinden” ist das was zählt. Man bleibt zwar motiviert aber merkt dabei nicht, dass man einfach nurnoch schlecht spielt, keine Session reviews mehr macht, nichts tiefgründig analysiert. Ob man damit Geld macht ist fraglich aber doch sehr gut möglich wie man an den ganzen FFP- und Rakebackpros, die PS.de und twoplustwo so schön züchtet, sieht. Schwierig hierbei ist unsere Motivation für Poker nicht auf das eigentliche Spielen (wie Herojunks) zu trimmen sondern auf das konstante Denken, Verbessern und Geld gewinnen.
Wie kann man das ganze nun umgehen?
Weiß ich nicht. Jeder hat schwache Momente und keiner wird die oben beschriebenen Phänomene abschalten können eben weil es nicht immer schlecht enden muss. Vielleicht brauchen wir sowas auch hin und wieder.
Ich glaube eine Lösung hierfür kann uns nichtmal unser aller Pokergottheit Tommy Angelo liefern.
Over and out, der Affe drückt und zeigt auf den Fulltiltbutton.
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